
|
|
Die Kosten für die
Gesundheits- und Krankenpflege in Schweden beliefen sich 1992 nach dem Staatshaushalt auf
108,8 Mrd. skr, darin einbegriffen Arzneimittel, Zahnbehandlung und Brillen für Kinder.
Dies entspricht 7,5 % des Bruttosozialprodukts - ein Prozentsatz, der in den letzten
Jahren gesunken ist und der nach den Erwartungen auch weiter sinken wird. Der größte Teil der Kosten, 99,5 Mrd. skr, entfiel auf
Behandlung und Pflege, die von den Provinziallandtagen und den drei freistehenden
Gemeinden (nachstehend insgesamt als Provinziallandtage bezeichnet) betrieben oder
finanziert wurden. 75 % der Tätigkeit der Provinziallandtage besteht aus Gesundheits- und
Krankenpflege. Der größte Teil der Tätigkeit, oder 71% (1993), wird mit Steuereinnahmen
finanziert.
Die Provinziallandtage sind berechtigt, eine
Proportionalsteuer auf die Einkommen ihrer Einwohner zu erheben. Der Steuersatz beträgt
im Durchschnitt ca. 11,5 %. Andere Einkünfte von Bedeutung für die Provinziallandtage
sind Kostenersatz und Zuschüsse von seiten des Staates, insgesamt 13 %.
Patientengebühren kommen für 3 % der Einkünfte auf. Die Einkünfte der
Provinziallandtage, und damit des Gesundheitswesens, haben sich in den letzten Jahren
aufgrund des schrumpfenden Steueraufkommens und verringerter Staatszuschüsse
verschlechtert.
Um dieser Verschlechterung zu begegnen, haben die
Provinziallandtage ihre Ausgaben in realen Zahlen seit 1992 um etwa 2 % pro Jahr gekürzt
- eine Entwicklung, die nach den Prognosen wohl noch bis 1998 anhalten wird. Erst dann
wird eine Rückkehr zu unveränderten Ausgaben möglich sein. Nach allgemeiner Beurteilung
haben die Kürzungen bisher durch Rationalisierungen aufgefangen werden können, ohne daß
die Zahl der behandelten Patienten abgenommen hat. Statt dessen halten sich die Patienten
kürzere Zeit im Krankenhaus auf und werden öfter anbulant behandelt.
Die Zahl der Krankenhausbetten in der somatischen
Kurzzeitpflege ist von 4,4 pro 1.000 Einwohner 1985 auf 3,1 pro 1.000 Einwohner 1993
zurückgegangen. Die entsprechenden Zahlen für die psychiatrische Krankenpflege waren 2,5
in 1985 und 1,2 in 1993. Es besteht die Gefahr, daß die Patienten in Zukunft mehr von den
Einschränkungen merken werden, wenn das größte Rationalisierungspotential in der
Krankenpflege erst ausgenutzt ist.
Eine von Provinziallandtagen zur Förderung der
Rationalisierung in der Krankenpflege angewandte Methode war die Einführung neuer
finanzieller Lenkungssysteme. 1994 hatten 14 Provinziallandtage die eine oder andere Form
eines Besteller-Ausführender-Modells in der Krankenpflege eingeführt. Ein solches Modell
bedeutet, daß das traditionelle System mit festen, jährlichen Zuweisungen von Mitteln an
Krankenhäuser und Bezirke der primären Krankenpflege aufgegeben wird. Statt dessen
werden Behandlung und Pflege nach Leistung bezahlt, so daß ein Krankenhaus mehr Geld
bekommt, je mehr Patienten dort behandelt werden. Man versucht auch, Wettbewerb unter den
Krankenhäusern zu schaffen, um die Qualität zu verbessern und den Preis je Leistung zu
senken.
In einigen Provinziallandtagen ist auch der
Wettbewerb von seiten privater Krankenpflegeträger ermuntert worden. Die neuen
Lenkungssysteme haben zur Bildung spezieller Bestellerabteilungen geführt, die
normalerweise von einem mit Politikern besetzten Aufsichtsgremium geleitet werden und die
Aufgabe haben, die Anforderungen der Provinziallandtage an die Krankenhäuser zu
formulieren und Qualität und Preise auszuwerten. Die Krankenhäuser sind ihrerseits im
Verhältnis zu den politischen Organen selbständiger geworden.
Es ist noch zu früh, die Gesamtwirkungen der
Einführung des Besteller-Ausführender-Modells in der schwedischen Krankenpflege zu
bewerten. Klar ist jedoch, daß es zu größerem Interesse für die Leistungen der
Krankenpflege, für die Kosten der Leistungen und für die Qualität der Krankenpflege
geführt hat. Im Zuge der Entwicklung neuer finanzieller Lenkungssysteme haben die
Patienten größer Möglichkeiten erhalten, die behandelnde Einrichtung zu wählen. Die
Wahlfreiheitsreformen sind von den Patienten ohne Zweifel positiv aufgenommen worden,
haben jedoch zu Komplikationen für die Bestellerabteilungen geführt, wenn diese versucht
haben, Behandlung dort zu beschaffen, wo das Verhältnis zwischen Preis und Qualität am
günstigsten war. |