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Die Struktur der
Gesundheits- und Krankenpflege in Schweden umfaßt mehrere Ebenen. Die primäre
Krankenpflege (primärvården) ist die Ebene im Rahmen der Gesundheits- und Krankenpflege,
auf der die Bevölkerung mit ihren gesundheitlichen Fragen und Problemen in erster Linie
Hilfe suchen soll. Die Einrichtungen der primären Krankenpflege arbeiten für die
Gesundheit der Bevölkerung und behandeln alle Krankheiten und Verletzungen, die keine
Behandlung im Krankenhaus erfordern. In der primären Krankenpflege sind viele
verschiedene Berufsgruppen tätig, u.a. Ärzte, Krankenschwestern, Hilfsschwestern,
Hebammen und Krankengymnatinnen. Die Tätigkeit dieser Berufsgruppen ist in sog.
Gesundheitszentren zusammengelegt worden, was die Arbeit im Team erleichtert hat.
In den letzten Jahren ist man immer mehr dazu übergegangen,
die Tätigkeit der Ärzte in der primären Krankenpflege so zu organisieren, daß die
Menschen einen Arzt mit fachärztlicher Qualifikation als Allgemeinarzt als ihren eigenen
Arzt wählen. Einen solchen Arzt nennt man heute gewöhnlich "Hausarzt",
(während die traditionelle Bezeichnung früher Bezirksarzt war). Behandlung, Beratung und
Pflege auf der Ebene der primären Krankenpflege wird - außer in Gesundheitszentren und
öffentlichen Hausarztpraxen - auch von privat praktizierenden Ärzten und
Krankengymnastinnen, von Bezirksschwesternstationen sowie von Säuglings- und
Kleinkinderfürsorgestellen und Mütterberatungsstellen angeboten.
Die Säuglings- und Kleinkinderfürsorgestellen
stehen für alle Kinder bis zum schulpflichtigen Alter kostenlos zu Impfungen,
Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsberatung sowie gewisser Krankenpflege zur
Verfügung. In den Mütterberatungsstellen arbeiten Hebammen und Ärzte, die die werdenden
Mütter während der ganzen Schwangerschaft regelmäßig kostenlos untersuchen. Die
Bezirksschwestern f ühren Krankenbehandlungen durch und erteilen Ratschläge und
Unterstützung sowohl auf ihren Stationen wie bei Besuchen in den Wohnungen der Patienten.
Betriebsgesundheitsdienst und Schulgesundheitspflege
sind andere Teile des Pflegeangebots. Durch die Anpassung von Wohnungen, technische
Hilfsmittel, Krankenpflege und häusliche Pflege wird es älteren Menschen und Behinderten
ermöglicht bzw. erleichtert, in ihrer eigenen Wohnung zu bleiben. In Krankenhäusern für
Langzeitpflegen, Pflegeheimen und in Servicewohnungen haben die Bewohner Tag und Nacht
Zugang zu Personal für Krankenpflege und persönliche Pflege. In Gebäuden mit diesen
Wohnformen wird großes Gewicht darauf gelegt, Lebensverhältnisse zu schaffen, die denen
des gewohnten häuslichen Lebens so ähnlich wie möglich sind. Als Beispiel sei genannt,
daß heute die meisten Patienten in Pflegeheimen ein eigenes Zimmer haben.
Krankheiten, die Behandlung im Krankenhaus
erfordern, werden in der Provinzialkrankenpflege und der Regionalkrankenpflege behandelt.
Für die Provinzialkrankenpflege stehen etwa 80 Provinz- und Bezirkskrankenhäuser zur
Verfügung. Dort wird somatische Krankenpflege in einer Reihe von Disziplinen betrieben,
teils in Pflegestationen (stationäre Behandlung), teils in poliklinischen Stationen
(ambulante Behandlung). Zur Provinzialkrankenpflege gehört auch die psychiatrische
Pflege, die heute in immer größerem Umfang ambulant innerhalb von geographisch
begrenzten Gebieten betrieben wird. Regionalkrankenpflege wird an zehn
Regionalkrakenhäusern betrieben, an denen mehr Disziplinen und Spezialitäten vertreten
sind als in der Provinzialkrankenpflege, z.B. Neuro-, Thorax- und plastische Chirurgie
sowie hochspezialisierte Laboratorien.
In Schweden ist ein verhältnismäßig hoher Anteil
der Krankenpflegeressourcen für die Behandlung und Pflege in Krankenhäusern verwendet
worden. Dies kommt u.a. in wenigen Besuchen pro Patient und Jahr bei einem Arzt im Rahmen
der primären Krankenpflege zum Ausdruck. Die Zahl der Allgemeinärzte ist im Verhältnis
zur Gesamtzahl der Ärzte auch niedrig (ungefähr ein Fünftel). In der stationären
Kurzzeitbehandlung ist die Zahl der Pflegetage pro Person und Jahr in den letzten Jahren
für sämtliche Altersgruppen zurückgegangen. Auch in der stationären Langzeitpflege ist
die Zahl der Pflegetage pro Person und Jahr in den meisten Altersgruppen gesunken. Die
Veränderungen in der psychiatrischen Pflege waren in den letzten zehn Jahren
durchgreifend.
Die Geistigbehinderten leben in immer größerem
Umfang außerhalb der Institutionen und wohnen heute z.B. in eigenen Wohnungen. Parallel
zur Stillegung der stationären Pflegeeinrichtungen sind ambulante sog.
"alternative" Pflegeformen aufgebaut worden. Die Entwicklung der stationären
Krankenpflege muß im Verhältnis zum bewußten Ausbau ambulanter Pflege- und
Behandlungsformen gesehen werden. Ein immer größerer Teil der Besuche beim Arzt findet
außerhalb der Krankenhäuser statt, und auch der Inhalt der Besuche hat sich verändert.
Immer mehr Behandlungen und Operationen werden durchgeführt, ohne daß der Patient in ein
Krankenhaus aufgenommen werden muß. Unter anderem kann die Einführung der ambulanten
Chirurgie die Veränderung illustrieren, die jetzt im Gange ist. Die bewußte Förderung
ambulanter Pflegeformen bedeutet auch, daß Besuche bei anderem Behandlungspersonal als
einem Arzt angestrebt wird. Die Zahl der Besuche bei Bezirksschwestern, Krankenschwestern
und Hilfsschwestern hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt. |